Die Angst vor dem Osten

Karl-Heinz Thier
Hamburg
In Polen werden 85 % von 500.000 “illegalen” Immigranten amnestiert. Polen tat das vor einigen Jahren schon einmal. Spanien tat das. Warum tut Deutschland das nicht? Warum hat die SPD, die demnächst regieren will, Angst vor so etwas?
Die Angst, dass Polen in den ersten sieben Jahren in der EU Deutschland “überfluten”, war unbegründet. Die Angst, dass Ähnliches passiert, wenn “illegale” Immigranten amnestiert werden, ist ebenfalls unbegründet. Lehnen wir uns einmal zurück und denken nach.
KeineR verlässt freiwillig seine/ihre Heimat. Die wirtschaftliche Not muss schon sehr groß sein, wenn er/sie das tut. Deutschland kann etwas dazu beitragen, dass die Not in den Ländern an den EU-Grenzen gelindert wird. Außerdem verlagert sich die weltwirtschaftliche Entwicklung von West nach Ost. Langfristig wird der Drang nach Westen abnehmen.
Zweitens wissen die Deutschen, dass viele Migranten gar nicht bleiben wollen, sondern wieder zurückkehren, wenn sie so viel zusammengespart haben, dass sie wieder auf eigenen Füßen stehen können. Die Auswanderungsrate auch der Deutschen nimmt zu.
Schließlich braucht Deutschland Freunde in der Welt. Bei den meisten ist es verhasst, weil es nur an den eigenen Vorteil denkt und Menschen am Rand menschenunwürdig behandelt. Amnestierte RückkehrerInnen könnten ein anderes Bild vermitteln. Vor allem wenn alle in Deutschland Geborenen automatisch die deutsche Staatsangehörigkeit erhielten, wie es bei Deutschlands Nachbarn üblich ist.
Angst ist ein schlechter Ratgeber – auch für die SPD.

 

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